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Stimmt mit Ihren Freunden etwas nicht?

Am letzten Wochenende hatte ich eine Email-Unterhaltung mit einem Kunden und dabei kam ein Thema hoch, über das wir hier unbedingt reden müssen.

Los geht’s.

Einige der Mitglieder in meiner Nische verkaufen – und ich verwende das Wort „verkaufen“ sehr absichtlich dabei – die Idee, dass wenn man ausreichend Präsenz in den sozialen Medien aufbaut, man dadurch eine Menge Freunde gewinnt.

Und wenn Sie eine Menge Freunde gewonnen haben, so sagt deren Strategie, werden Sie eine Menge Geld dadurch verdienen.

Oder jedenfalls etwas Geld. Social Media kann ein gutes Werkzeug für den Ausbau eines Business sein. Ich nutze sie kaum noch und habe auch nicht vor, in nächster Zeit wieder damit anzufangen, aber trotzdem sehe ich darin für bestimmte Arten von Unternehmen durchaus Vorteile.

Aber ich werde wirklich sehr, sehr nervös, wenn wir anfangen über Freundschaft zu sprechen.

Und das nicht deswegen, weil ich ein Problem mit der Vorstellung habe, dass jemand den Sie bisher gar nicht kennen, ein einziges Mal einen Button anklickt und die Gesellschaft den deswegen sofort als Ihren Freund betrachtet. Das ist ein ganz anderes Thema für einen anderen Artikel.

Sondern ich bin ernsthaft beunruhigt darüber, dass wir diese „Freundschaften“ als etwas kommunizieren, das uns in eine „kommerzielle Beziehung“ versetzt.

Der Kunde, mit dem ich diese Emails am Wochenende ausgetauscht habe hob dazu einen sehr guten Punkt heraus. Wie bekommen wir diese Freunde dazu, etwas zu kaufen? Tragischer weise liegt die Antwort darauf direkt in der Frage. Ich werde Ihnen sagen, warum Ihre Freunde – und meine Freunde, was das betrifft – nicht mit Begeisterung ihr Geld her geben.

Aber zuerst stellen Sie sich mal vor, Ihre Mutter macht ein eigenes Online Business auf.

Sagen wir mal, sie plant die Gestaltung von Gärten.

Sie sind so stolz auf sie.

Sie erzählen allen Leuten von ihr.

Sie stecken ihre Visitenkarten hinter die Scheibenwischer von fremden Leuten.

Sie sind ihr größter Unterstützer.

Nun stellen Sie sich mal vor, sie ruft Sie an und sagt „Möchtest du mich nicht ein paar Stunden buchen? Ich mache gerade eine große Werbeaktion mit Sonderpreisen!“

Wie jetzt?

Na gut, vergessen Sie Ihre Mutter. Sie hat sie auf die Welt gebracht, sie sollte Ihnen gegenüber wirklich nicht den harten Verkäufer abgeben.

Nehmen wir mal an, Ihre Frau würde Malerin.

Also Kunstmaler, kein Anstreicher.

Sie malt Katzen.

Sie stellt Fotos ihrer Bilder ins Internet und Sie sagen ihr immer wieder, wie sehr Ihnen die gefallen.

(Haben Sie verstanden „gefällt mir“?)

Also ergreift sie netterweise die Initiative und schickt Ihnen ein Angebot.

Sie würde IHRE Katze malen – für nur 495 Euro.

Selbstverständlich müssten Sie keine Versandkosten bezahlen, aber sie hat in einem Marketing-Blog gelesen, dass sie gerade als Einsteiger keine Rabatte geben sollte, nur um Kunden zu bekommen, also müssen Sie den vollen Preis zahlen.

Aber sie würde es sogar für Sie aufhängen.

Hmm.

Na gut, nun nehmen wir mal an, es geht um Ihre beste Freundin aus Ihrer Ausbildungszeit.

Sie macht Farbberatungen.

(Können Sie sich noch an Farbberatungen erinnern? Macht das noch irgendjemand? Sollte so sein, das war eine coole Sache.)

Sie bittet Sie, allen Ihren Freunden (und vor allem Freundinnen) davon zu erzählen – was ein wenig merkwürdig ist, weil alle ihre Freunde ALLE Ihre Freunde sind, aber was soll‘s – und Sie machen das.

Sie retweeten also alle ihre Tweets, die irgendwie irre, Ihren Followern eine Menge Zeugs erzählen, dass die bereits kennen, weil die ihr ebenfalls folgen.

Aber was soll’s.

Sie ist Ihre Freundin.

Sie unterstützen sie so gut wie Sie können.

Richtig schwierig wird die Sache dann, wenn erwartet wird, dass Ihre Unterstützung dahin geht, dass Sie Hunderte von Euros rauswerfen, um überall zu erzählen, dass Sie immer schon super in Orange ausgesehen haben.

Der Grund, warum Ihre „Freunde“ nichts kaufen ist der, dass es sehr, sehr merkwürdig ist, bei Freunden zu kaufen.

Ich möchte jetzt hier nicht weiter darauf eingehen, warum das so ist, das würde den Rahmen sprengen. Wenn es Sie wirklich interessiert, gehe ich darauf in einem anderen Artikel gerne einmal ein.

Der Hinweis möge genügen, dass es sich unglaublich krank anfühlt, etwas von Freunden zu kaufen und dass Ihre „Freunde“ in den sozialen Netzen praktisch alles tun, um das zu vermeiden.

Lockere Kontakte. Kein Problem.

Fans. Definitiv. (Trotzdem sollten Sie bei Ihrer Definition davon vorsichtig sein.)

Aber bei Leuten kaufen, mit denen Sie gesellschaftlichen Umgang pflegen? Praktisch keine Chance.

Niemals.

Falls Sie schon länger als eine Stunde ein eigenes Business betreiben, ist es jetzt an der Zeit anzufangen, darüber nachzudenken, wie es außerhalb der Freundschaftszone aussieht. Früheres Verhalten ist ein guter Indikator für zukünftiges Verhalten. Es geht hier nicht um einen riesigen Langzeit-Verkaufs-Zyklus.

Die kaufen nichts.

Und Sie brauchen einen neuen Plan.

Ihr Jürgen Schnick

 

 

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