Sind meine Blog-Leser meine Kunden?

Sind meine Blog-Leser meine Kunden?

 

“Der Kunde hat immer Recht.”

Dieses Klischee geistert schon seit sehr vielen Jahren durch die gesamte Geschäftswelt. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob diese Aussage wirklich exakt zutrifft, aber trotzdem stellt sie einen allgegenwärtigen Punkt heraus, den man nicht widerlegen kann. Ihre Kunden sind Ihr Geschäft. Ohne Ihre Kunden hätten Sie kein Geschäft.

© James Peragine – iStockPhoto.com

© James Peragine – iStockPhoto.com

Es ist sicherlich keine Frage, dass jedes Geschäft und jede Person, die in irgendeiner Form mit Geldverdienen zu tun hat, ihre oder seine Kunden wie Gold behandeln sollte. Die Kunden sind diejenigen, die Ihre Rechnungen bezahlen, dafür sorgen, dass Ihre Familie genug zu essen hat und die hoffentlich dazu beitragen, dass Sie sich ein angenehmes Leben leisten können.

Es gibt also keine Diskussion darüber, ob es wichtig ist, sich um Ihre Kunden zu kümmern, sie zu pflegen, ihnen Hilfe und Unterstützung zu bieten, den Kontakt zu ihnen zu pflegen, mit ihnen zu kommunizieren und dafür zu sorgen, dass sie sich bei Ihnen auf lange Zeit wohl fühlen. Ich glaube, da sind wir alle einer Meinung. Aber das bringt uns zu der wichtigen Frage, wer eigentlich unsere Kunden sind.

Um da Klarheit zu schaffen und um diese eigentlich einfache Frage zu beantworten, habe ich mal schnell bei Google nach der Definition des Wortes „Kunde“ gesucht. Hier ein paar der gefundenen Ergebnisse:

Kunde – eine Person die kauft

Kunde – jemand der eine Handelsware oder Dienstleistung erwirbt

Kunde – jemand der Güter oder Dienste von jemand anderem erwirbt

Kunde – jemand der Güter oder Dienstleistungen kauft

Kunde – jemand der Güter oder Dienstleistungen kauft oder in Anspruch nimmt

Und was haben alle diese Definitionen gemeinsam? Ein „Kunde“ ist jemand, der etwas kauft. Wenn Sie Ihre Betrachtungsweise ein wenig ausweiten, könnten Sie auch sagen: Ein Kunde ist jemand, an dem ein Unternehmen durch Abwicklung eines Geschäftes Geld verdient.

Ihre Blog-Leser sind nicht Ihre Kunden

Sicherlich kann es sein, dass ein paar davon Ihre Kunden sind. Möglicherweise werden manche davon irgendwann einmal Ihre Kunden. Manche werden es vielleicht niemals. Aber nur weil jemand in Ihrem Blog liest, wird er dadurch noch lange nicht automatisch zu Ihrem Kunden. Das hängt natürlich auch stark von Ihrem Geschäftsmodel ab. Verkaufen Sie überhaupt ein Produkt oder eine Dienstleistung? Wenn ja, ist dann die Mehrheit Ihrer Blog-Leser aus Ihrem Zielmarkt und passt exakt in Ihre statistische Haupt-Zielgruppe? Wenn Sie gar nichts zu verkaufen haben, wie kann dann irgendjemand Ihrer Leser als Kunde bezeichnet werden?

Ihre Kollegen sind nicht Ihre Kunden

Sicherlich kann es sein, dass einer oder zwei davon etwas bei Ihnen kaufen. Möglicherweise weil ein ganz bestimmter starker Bedarf bei ihnen vorhanden ist und weil Sie zufällig Experte bei diesem Thema sind. Sonst würden sie mit großer Wahrscheinlichkeit nie etwas bei Ihnen kaufen und Ihnen auch direkt kein Geld einbringen.

Kollegen können Geschäftspartner sein. Kollegen werden wahrscheinlich ziemlich regelmäßig Ihren Blog besuchen. Sie sind super gut als Quelle der Unterstützung und Hilfe geeignet und können sich zu tollen Geschäftsmöglichkeiten entwickeln. Es ist ganz sicher immer eine gute Idee, die Kontakte und Beziehungen zu ihnen zu pflegen, aber wenn man es ganz genau nimmt, sind sie nicht Ihre Kunden.

Ihre Freunde, Follower und Fans sind nicht Ihre Kunden

Sicherlich können viele davon Ihre Kunden sein. Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass ein ziemlich großer Teil von ihnen etwas bei Ihnen gekauft hat oder das irgendwann in der Zukunft einmal tun wird. Aber aus den Hunderten, Tausenden oder mehr Followern, die Sie haben (viele davon gesichtslose Namen, unengagierte Typen oder gar Spam-Automaten), wie viele davon sind wirklich Käufer?

Soziale Plattformen wie Twitter und Facebook sind heute ein absolutes Muss für jede Art von Geschäft, um am Puls des Marktes zu bleiben. Es bringt ganz klare Vorteile, mit der Gemeinschaft aus Ihrer Marktnische dort engagiert zu kommunizieren, aber trotzdem bleiben diese Plattformen, was sie sind: soziale Netzwerke. Und nicht unbedingt Ihre Kundenbasis. Nur weil jemand etwas von Ihnen retweetet, an Ihre Pinnwand postet oder einen Kommentar schreibt, macht ihn oder sie das noch lange nicht zu Ihrem Kunden.

Schenken Sie jedem Ihre Aufmerksamkeit – am meisten aber Ihren Kunden

Bitte wiederholen Sie diese Worte: Es geht um’s Geschäft.

Wenn Sie ernsthaft bestrebt sind, online mit Hilfe Ihres Blogs Geld zu verdienen, ist es zwingend erforderlich, dieses Konzept zu verinnerlichen. Sie schaffen und unterhalten ein Geschäft. Sie wollen Geld verdienen. Daran ist nichts Schlechtes oder Böses. Das sind harte Fakten. Alles was Sie tun, sollte auf die Erreichung Ihrer Ziele ausgerichtet sein. Priorisieren Sie entsprechend.

Sollen Sie in angemessener Zeit auf Emails antworten, egal von wem sie sind? Ganz sicher. Sollen Sie sich bei denen bedanken, die Ihnen geholfen haben, Ihr Geschäft voran zu bringen? Ganz sicher. Sollen Sie zu Kommentaren und Diskussionen in Ihrem Blog anregen? Natürlich sollen Sie das.

Aber wenn es um das Geschäft geht, um echtes Geld, um handfeste, verkäufliche Wirtschaftsgüter, um Ihre tatsächlichen Kunden, wo immer die auch sind, dann müssen diese immer an erster Stelle stehen, wenn es um Ihre Aufmerksamkeit geht. Keine Frage.

Nicht Ihre Leser, nicht Ihre Follower, nicht Ihre Fans – Ihre Kunden!

Bitte wiederholen Sie diese Worte: Es geht um’s Geschäft.

Vielleicht sollten wir das alte, immer und immer wieder gehörte Klischee „Der Kunde hat immer Recht.“ In eine treffendere, aktuellere Version 2010 umwandeln: „Der Kunde kommt immer zuerst.“

Wie sehen Sie das? Kommen bei Ihnen immer die Kunden an erster Stelle? Ich freue mich auf Ihren Kommentar.

Jürgen Schnick

 

1 Kommentar… add one

  • Karl Valentin 30. September 2010, 10:17 · link ·

    Kunde und Käufer sollte man nicht gleichsetzen. Es gibt da diesen schönen Aphorismus: Wenn der Kunde sich verstanden fühlt, wird er zum Käufer.

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