Gestern fragte mich ein Leser per Email danach, was ich davon halte, mehrere Blogs gleichzeitig an den Start zu bringen. Ich sagte ihm, dass wenn ich heute ein Blog-Netzwerk als Allein-Blogger aufsetzen wollte, ich dieses Netzwerk rund um eine einzelne Nische ausrichten würde und es nicht mit unterschiedlichen Themen und zahlreichen Blogs machen würde.
Damit will ich nicht behaupten, dass ein Netzwerk aus vielen Blogs mit sehr unterschiedlichen Themen nicht funktionieren kann, es gibt diverse Beispiele, vor allem im internationalen Markt, dass so etwas sehr gut funktioniert. Allerdings ist der Start eines Netzwerkes mit einem sehr breit gestreuten Fokus eine echte Herausforderung und so etwas rund um eine bestimmte Nische aufzusetzen hat ein paar deutliche Vorteile.
Als Einstimmung zum Thema Nischen-Blogging habe ich diesen Artikel geschrieben.
Vorteile eines Netzwerks aus Nischen-Blogs
Erstens – um es Einsteigern in dieses Thema ganz klar zu machen: das Betreiben thematisch verwandter Blogs bedeutet, dass man dabei sehr gut eine gegenseitige Unterstützung der Blogs realisieren kann, wobei der Traffic des einen Blogs für die Werbung für einen anderen Blog genutzt wird.
Zweitens bietet so ein Netzwerk einige Vorteile beim Verkauf von Werbeflächen direkt an Werbeanbieter. Wenn Sie zum Beispiel zwei Blogs mit zwei völlig unterschiedlichen Themengebieten haben, dann ist es praktisch unmöglich, auf beiden Blogs Werbung an denselben Werbeanbieter zu verkaufen. Wenn Sie dagegen zwei Blogs mit vergleichbaren Leserzusammensetzungen haben, fällt es sehr viel leichter, Werbeanbietern Werbeplätzen in beiden Blogs zu verkaufen.
Drittens kann so ein Netzwerk bei der SEO hilfreich sein, weil man so sehr gute Verlinkungen zwischen Sites realisieren kann, die thematisch perfekt zusammen passen.
Das Aufsetzen eines Netzwerks aus Nischen-Blogs
Arbeiten Sie intensiv daran, einen Blog der sich auf ein einziges, eindeutig fokussiertes Thema konzentriert, aufzubauen. Einen Blog, der ein gutes und klares Profil hat und der über einen passablen Grund-Traffic verfügt.
Der häufigste Fehler, den Blogger gerade am Anfang dabei machen, ist der einen größeren Happen abzubeißen, als sie kauen können. Sie haben etwas von den großen Blog-Netzwerken gehört und denken, das Geheimnis des Erfolgs besteht lediglich darin, eine große Zahl von Blogs aufzusetzen.
Wenn es auch sehr eindrucksvoll sein kann, zehn oder zwanzig Blogs an den Start zu bringen, begibt man sich damit in einen Albtraum, der darin besteht, sie alle am Laufen zu halten. Wenn man da nicht ein eingespieltes Team und ausreichend Zeit zur Verfügung hat, ist das nicht zu bewältigen. Oder sie stellen sich zu klein auf und sind nicht in der Lage, auch nur einen der Blogs zu seinem vollen Potential zu entwickeln.
Wenn ich selber so einen Ansatz wählen sollte, würde ich für den ersten Blog ein Thema wählen, das relativ breit ist und das die Möglichkeit bietet, es später weiter zu unterteilen. Ich würde einige Monate (so etwa ein halbes Jahr) sehr intensiv mit diesem Blog arbeiten, bevor ich auch nur daran denken würde, weitere Blogs zu starten. Der Schlüssel liegt darin, den ersten Blog bis zu einem Punkt zu entwickeln, an dem er als Sprungbrett für die weitere Expansion dienen kann.
Die Hebelwirkung des ersten Blogs
Wenn dann erst einmal eine etablierte Leserschaft für den ersten Blog besteht, würde ich damit beginnen, darüber nachzudenken, wie ich das Profil und den Traffic des ersten Blogs als Hebel für den Start eines zweiten Blogs nutzen könnte. Dieser zweite Blog sollte auf bestimmte Weise einen direkten Bezug zum ersten Blog haben und zwar entweder thematisch oder in Bezug auf die Zusammensetzung der Leserschaft.
Lassen Sie mich diese beiden Optionen ein wenig untermauern.
Thematischer Bezug – Mit thematisch meine ich, dass der zweite Blog einen direkten Bezug zur Nischenausrichtung des ersten Blogs haben soll. Diesen Bezug kann er auf zwei verschiedene Arten haben.
Die erste Möglichkeit besteht darin, eines der Themen, die der erste Blog abdeckt, aufzugreifen – zum Beispiel, indem man eine der Kategorien des ersten Blogs nimmt und diese im neuen Blog ausweitet, so dass dieser sich ausschließlich des Themas der Kategorie widmet, aber wesentlich mehr in die Tiefe geht als der erste Blog (siehe untenstehende Grafik dazu). Ein Beispiel wäre, wenn ich hier bei Erfolgs-Blogging einen zweiten Blog zum Thema SEO aufmachen würde (ein Themenbereich, den ich ab und zu in meiner Kategorie „SEO für den Blog“ behandele).
Die zweite Möglichkeit besteht darin, ein verwandtes Thema auszuwählen, das zwar mit dem Themenbereich des ersten Blogs eng verwandt ist, dort aber bisher noch nicht im Detail behandelt wurde. Es gibt vielleicht schon ein paar Überlappungen, aber die sind bisher minimal. Ein Beispiel wäre, wenn ich hier bei Erfolgs-Blogging einen zweiten Blog zum Themenbereich „Video Blogging“ aufmachen würde. Ich habe bisher noch nicht sehr viel über dieses Thema geschrieben, aber ich habe mich mit dem Thema schon intensiv beschäftigt und es gibt mit Sicherheit reichlich thematische Zusammenhänge.
Durch die geschickte Wahl eines Themas, das eine gewisse Verwandtschaft mit dem ersten Blog hat (unter Einsatz einer der beiden oben erwähnten Methoden) hat man eine gute Chance, einige seiner bisherigen treuen Leser auch für den neuen Blog zu interessieren.
Zusammensetzung der Leserschaft – die zweite Möglichkeit, ein Thema zu wählen, besteht darin, sich die Leserschaft seines ersten Blogs bezüglich deren Interessen vor Augen zu führen und dann ein Thema auszuwählen, das zu ihnen passen könnte. Bei der Zusammensetzung der bisherigen Leserschaft kann man dabei Kriterien wie Jung, Alt, Männer, Frauen anlegen. Daraus werden dann Themen abgeleitet, die sich in erster Linie an den Interessen der oben selektierten Gruppen ausrichten und die sich gut quer bewerben lassen. Hier eine visuelle Darstellung, wie ich das meine:
Da ist zuerst der erste Blog mit seinen Lesern:
Dann kommt der zweite Blog hinzu und statt überlappender Themen erkennen wir jetzt, dass der zweite Blog die gleiche Art von Lesern im Visier hat.
Es ist gleichgültig, ob Ihr zweiter Blog thematisch zum ersten Blog passt oder ob er die gleiche Gruppe von Lesern adressiert (oder beides), der Schlüssel liegt darin, Wege zu finden, wie die beiden sich gegenseitig bewerben können und wie Sie Leser aus dem ersten Blog auch für den zweiten Blog begeistern. So verschaffen Sie dem zweiten Blog einen wesentlich besseren und schnelleren Start.
Nehmen Sie sich selbst aus Ihren Blogs heraus
Es ist gar nicht so einfach, für mehr als einen Blog zu schreiben. Ich war vor einiger Zeit in der Situation, dass ich jede Woche für etwa ein Dutzend Blogs schreiben musste. Glauben Sie mir, das ist kein erstrebenswerter Zustand. Es ist einfach nicht möglich, Qualitäts-Content für so viele verschiedene Themen zu schreiben – auch dann nicht, wenn sie sehr eng beieinander sind.
Deswegen müssen Sie ab einer bestimmten Stelle dafür sorgen, dass Sie sich selber aus den Blogs herausnehmen und mit anderen zusammen arbeiten, um weiter expandieren zu können. Das kann schon notwendig sein, wenn Sie nur einen Blog haben, oder es ist erst soweit, wenn Sie schon den zweiten oder dritten Blog am Laufen haben. Aber es muss geschehen, bevor es zu spät ist und Sie die Grenze dessen, was Sie bewältigen können, überschritten haben.
Wenn ich so etwas noch einmal machen sollte, würde ich so früh wie möglich versuchen, einen zweiten Schreiber zu integrieren. Das Engagieren von Schreibern ist aber ein anderes Thema für einen anderen Beitrag, aber es ist auch nicht so schwierig.
Ich habe schon mal für meinen Blog über Pferdeanhänger einen Schreiber gesucht und hatte innerhalb eines Tages mehrere Angebote. Dann war es nur noch eine Sache der richtigen Auswahl und des Aushandelns der Konditionen. Es dauert dann immer noch eine Zeit lang, bis sich alle Beteiligten daran gewöhnt haben und alles so lief, wie es sollte, aber es war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe, denn sie erlaubte mir, mich mehr mit für mein Geschäft wichtigen Themen zu beschäftigen.
Dasselbe noch mal von vorne
Je länger Sie in einer Nische bloggen, umso besser werden Sie darin, neue potentielle Themen für Blogs zu erkennen. Dieser Effekt entsteht vor allem durch die Interaktion mit Ihren Lesern, der Beantwortung ihrer Fragen, der Beobachtung der Trends in Ihrer Nische und der Beobachtung, was andere Blogs um Sie herum den so thematisch aufgreifen.
Während Sie das tun, erkennen Sie immer besser andere Themenbereiche, die zu Ihren bisherigen Blogs und zur Zusammensetzung Ihrer Leser passen. Wenn Sie so etwas erkennen und Sie den Eindruck haben, dass Sie die Ressourcen haben, einen weiteren Blog zu starten – dann tun Sie es.
Wenn Sie erst einmal ein paar Blogs auf den Weg gebracht haben, werden Sie feststellen, dass Ihnen der Ablauf des Neustarts immer einfacher vorkommt und vielleicht können Sie ja einige Ihrer bisherigen Schreiber auch in weiteren Blogs beschäftigen. Das hat den Vorteil, dass Sie sie nicht immer ganz von Anfang an einarbeiten müssen. Aber passen Sie auf, dass Sie sie nicht überlasten, sonst leidet die Qualität des Content.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, Blogs zu starten, die in irgendeiner Weise eine direkte Beziehung zu Ihren bisherigen haben, denn so bekommt jeder neue Blog einen Blitzstart (wir sprachen weiter oben schon darüber).
So ich hoffe, dass ich damit all denjenigen, die sich in das Abenteuer mit einem Blog-Netzwerk stürzen wollen, ein paar nützliche Hilfestellungen geben konnte. Wenn Sie weitergehende Fragen zum Thema haben oder gerne ein Unterthema etwas weiter erläutert haben wollen, dann schreiben Sie bitte einen Kommentar.
Jürgen Schnick
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{ 4 Kommentare… lese sie unten oder schreibe selbst einen }
Was sind Nischen? Wozu brauche ich Nischen? Wie finde ich eine Nische? Erst wenn man diese drei Fragen beantworten kann, sollte man mit dem Geld verdienen anfangen.
Ein sehr schönes Motto, um darüber nachzudenken! Und ich freue mich darüber, schon jetzt zu den regelmäßigen Lesern Deines Blogs zu zählen. In diesem Sinne, ein schönes Wochenende!
Hallo Gordon, da sprichst Du ein wichtiges Thema an. Natürlich gibt es immer eine “Optimal” Version des Lebens, aber man muss damit auch umgehen können. Ich hatte vor Jahren mal ein sehr, sehr gutes Seminar, da sagte der Vortragende einen Satz, den ich nie vergessen werde und der mir zum Lebensmotto geworden ist: “Wenn Du weißt, was Du tust, kannst Du machen, was Du willst” – das passt immer und es stimmt immer (jedenfalls für mich – ich lebe seit 20 Jahren danach).
Na klar kannst Du 2 Blogs betreiben (wenn Du weißt, was Du tust). Denn das bedeutet, dass Du 2x sehr guten Content liefern musst, dass Du 2 verschiedene Leserschaften “bedienen” musst, das Du ständig zwischen 2 völlig verschiedenen Welten hin und her springen musst und noch vieles mehr.
Daher habe ich mich entschieden, nur noch einen Blog zu “bedienen”, nämlich diesen hier und den will (und werde) ich in den nächsten Monaten und Jahren ganz nach vorne bringen und auf den werde ich mich komplett konzentrieren, dieser Blog bekommt jede Wochen einen richtigen fetten “Linkbait” und dann werden wir sehen, ob das funktioniert (ich bin da ganz sicher, dass es das tut). Und jeder meiner Stammleser, der das schon erkannt hat (und das sind schon einige), kann sich schon darauf freuen, in Zukunft noch mehr gute Informationen kostenlos von mir zu bekommen.
Und ein paar weitere Überraschungen habe ich auch schon in der Mache …
Herzliche Grüße Jürgen Schnick
Hallo Jürgen,
dein Artikel nimmt neben der Thematik auf einen wichtigen Punkt Bezug: nämlich die Notwendigkeit, sich über die Interessen der Zielgruppe klar zu sein, und diese über die eigenen zu stellen.
Natürlich ist ein Blog ein willkommenes Ventil, sich das eine oder andere von der Seele zu schreiben, aber ganz am Anfang – und ich verstehe das nach dem Lesen dieses Artikels mehr als zuvor – steht die Überlegung, was die Nische ist, an welche Leser man sich wendet. Und dass man diese Einteilung immer im Blick haben sollte.
Hier gilt es, einen klaren Schnitt zu machen zwischen persönlichen Anliegen und denen der Zielgruppe. Bleibt nur noch hinzuzufügen, dass diese Überlegungen vor dem Start des Blogs, ja überhaupt vor der Wahl des Domainnamens stattfinden sollten.
Ganz knifflig dürfte die Entscheidungsfindung vor allem dann werden, wenn man unter seinem eigenen Namen einerseits seriöses, geschäftliches Publikum bedienen will (etwa Kontakte aus dem Netzwerk XING), andererseits gerade unter einer solchen Meinname-Domain überwiegend private Meinungen geäußert werden wollen, die durchaus im krassen Widerspruch zum geschäftlichen Image stehen können. Hier wird sich ein Schöngeist sehr schwer tun, will er sich die Freiheit seiner eigenen Meinung gegenüber den geschäftlichen Zwängen bewahren.
Ansonsten – bei entsprechend getrennten Domainnamen – sollte es doch okay sein, zwei Blogs – einen aus geschäftlichem Interesse und einen von privaten Vorlieben geprägten – zu betreiben. Man sollte Persönliches persönlich bleiben lassen, und in gewissen Kreisen nicht mit der Meinname-Domain hausieren gehen. Dumm nur, dass im Internet sowieso nichts lange geheim bleibt.